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„Forschungsfeld bei Rostock sichert Deutschlands Technologieführerschaft“

Aktuelles Gespräch mit Dr. Henrich Quick, Leiter Offshore-Projekte bei 50Hertz

 

mdw: Herr Dr. Quick, welche Aufgaben erfüllt 50Hertz bei Offshore Wind? Was sind die Besonderheiten in der Ostsee?

Dr. Henrich Quick: Die Aufgaben von 50Hertz liegen darin, einerseits eine Kabelanbindung in die Ostsee zu bringen, eine Umspannplattform auf See zu errichten – das machen wir gemeinsam mit den Windparks. Das ist eine Besonderheit der Ostsee, weil man hier die Plattform gemeinsam errichten und betreiben kann. Das ist besonders effizient, weil wir uns hier die Kosten teilen können und nicht zweimal ein eigenständiges Haus errichten, sondern wir gemeinsam ein Haus bauen, was auch die Partnerschaft mit den Windparks deutlich verbessert und wir da sehr gemeinschaftlich unterwegs sind.

mdw: Was macht das Projekt Kriegers Flak Combined Grid Solution aus?

Henrich Quick: Das ist ein innovatives Projekt, das ist erstmalig, die Verbindung zweier Länder und gleichzeitig auch Nutzung von Windstrom mit bestehenden Kapazitäten. Das ist so ein innovatives Projekt, dass die Europäische Union stark unterstützt und wir hier einen großen Vorbildcharakter haben, selbst schon jetzt in der Errichtungsphase. Ich glaube, in dem Moment, wo wir Anfang nächsten Jahres in den ersten Testbetrieb gehen, wird es noch mehr Kollegen geben, die sich das sehr interessiert ansehen. Auch die ganzen Entwicklungen, die auch in der Nordsee laufen, auch bezüglich der Insel, die man in 10 bis 15 Jahren errichten will, ist ja im Prinzip die Fortsetzung dieser Idee. Die Pionierarbeit, die hier unsere dänischen Kollegen und wir leisten, die wird sicherlich auch die eine und andere Spur hinterlassen. Da sind wir auch etwas stolz drauf.

mdw: Wie sieht 50Hertz die Diskussion um ein nationales Offshore-Testfeld. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrs- und Energieminister Christian Pegel ist ja hier sehr engagiert.

Henrich Quick: Deswegen ist auch dieses Forschungsfeld bei Rostock wichtig, damit Deutschland die Technologieführerschaft behalten kann. Das Projekt ist im Koalitionsvertrag genannt, aber da sind noch einige Hürden zu überspringen. Das ist aber meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Beitrag, um an dem Geschäft aus Deutschland heraus nicht nur für Deutschland zu profitieren sondern weltweit zu zeigen, was unser Maschinenbau kann, die spezialisierten Zulieferer und Baufirmen, die dann auch international arbeiten. Zum Beispiel in Taiwan. Dort sind an den meisten Projekten deutsche Firmen beteiligt. Und das muss in Zukunft auch erhalten bleiben.

mdw: Was macht Offshore Wind so besonders?

Henrich Quick: Offshore Windparks erzeugen weit mehr Energie pro Windrad, was ein großer Vorteil ist. Aber für das Netz ist auch wichtig, dass die Zahl der Stunden, in denen der Wind auf See weht, viel höher ist als an Land. Ein Jahr hat insgesamt 8 760 Stunden.Ein guter Standort an Land erreicht ca 2 000 Volllaststunden pro Jahr. Es gibt auch welche, die 2 500 erreichen können. Manchmal auch ein klein bisschen mehr an Land. Aber das sind dann schon die Sahnestandorte. Es gibt aber auch Standorte in Bayern und Baden-Württemberg, wo nur 1 500 Stunden erreicht werden. Im Vergleich dazu erreichen Offshore Windparks zwischen 4 000 und 4 500 Stunden Volllast im Jahr. Damit ist der Nutzen quasi pro Windrad doppelt so groß. Schon von der Energieerzeugung und für den Netzbetreiber und am Ende ja auch für den Kunden wichtig, dass die Energie überhaupt übers Jahr verfügbar ist an vielen Stunden, um das Netz auch stabil und geregelt zu halten. Dabei ist Offshore ein ganz wichtiger Beitrag. Wir sind sehr froh, dass der Offshore-Ausbau in der Ostsee auch weiter voranschreitet.