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Günther Krause: "Bin Opfer der deutschen Russland-Politik"

Früherer Bundesverkehrsminister Günther Krause kämpft für Erhalt seiner IBP GmbH

 

Einst unterzeichnete Günther Krause den Einigungsvertrag. Während der Zeit der letzten DDR-Regierung war die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar die Assistentin Günther Krauses (beide CDU). Beide wurden nach der deutschen Einheit im Kabinett Kohl Bundesminister. Krause schied schon 1993 aus dem Kabinett wieder aus und ist seit dieser Zeit in der deutschen Wirtschaft aktiv.

 

Jetzt musste er für seine Firma IBP GmbH (Information, Beratung, Projektentwicklung) Insolvenz anmelden – und führt dies auf die Embargopolitik der Bundesregierung, der Angela Merkel seit 2005 als Kanzlerin vorsteht, zurück. Gegenüber dem mdw-Magazin sagte Krause: „Ich bin wohl das prominenteste Opfer des Russlandembargos." Die von seiner Firma entwickelte Technologie sei in Russland gefragt gewesen, dürfe aber wegen des Embargos nicht mehr geliefert werden.

 

Krauses Firma schuldet nach Auskunft von IBP-Insolvenzverwalter Moritz Sponagel Gläubigern rund 800 000 Euro. Es gehe dabei um ausstehende Zahlungen an Krankenkassen und das Finanzamt, aber auch an ehemalige Beschäftigte der IBP und an den Gastronomiebetrieb, der für Krauses Sommerfest vor zwei Jahren das Catering für die rund 150 Gäste übernommen hatte. „Wir kämpfen mit aller Kraft dafür, die Gläubiger zufriedenzustellen und so das Bestmögliche für sie zu tun", sagt Sponagel, der eine auf das Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei in Berlin betreibt. Sponagel und seine Mitarbeiterin, Rechtsanwältin Nadine Wild, die das Insolvenz- verfahren der IBP ebenfalls betreut, zeigen sich zuversichtlich, für die IBP eine gute Lösung zu finden. Mittlerweile sei die Neutrino GmbH bereit, für die Krause vor der Insolvenz als Berater tätig war, die aktuell im Eigentum der IBP befindlichen Neutrino-Aktien zurückzukaufen. Der Wert der Aktien wird, so Sponagel, dabei von der Neutrino mit bis zu 1,1 Millionen Euro gehandelt. Das Unternehmen entwickelt u.a. alternative Energietechnologien in den USA. Das Angebot des Neutrino-Geschäftsführers, Holger Schubart, liege Sponagel schriftlich vor.

 

Krause seinerseits hatte zuvor der Rechtsanwältin Wild schwere Vorwürfe gemacht, das Vermögen der IBP GmbH und den Wert der Aktien viel zu niedrig zu bewerten. Seinen Angaben zufolge besitzt die IBP GmbH, einschließlich der Kredite und Aktien sowie der firmeneigenen Grundstücke, einen Wert von rund 2,3 Millionen Euro. Deshalb wehrt sich Krause inzwischen gerichtlich gegen den Vorwurf der Kanzlei Sponagel, dass eine Überschuldung der IBP GmbH der Insolvenzgrund sei. Sein Rechtsanwalt Sven Fischer beantragte am 19. Juli beim Amtsgericht Potsdam, das Insolvenzverfahren der IBP GmbH aufzuheben, wie aus dem Schreiben hervorgeht, das mdw vorliegt. Krause, so Anwalt Fischer gegenüber dem Amtsgericht, verfüge über „hinreichend liquide Mittel, um die bei Gläubigern bestehenden Verbindlichkeiten vollumfänglich zu decken". Deshalb sei entgegen dem Gutachten der Insolvenzkanzlei Sponagel „nicht von Zahlungsunfähigkeit auszugehen".

 

Günther Krause räumt ein, dass er mit seiner Firma in Liquiditätsprobleme gekommen ist, jedoch nicht durch eigenes Verschulden, sondern wegen ausbleibender Honorare. Wann Neutrino-Geschäftsführer Schubart die Aktien zurückkauft und die 1,1 Millionen Euro überweist, wisse er noch nicht.

 

Update 11. 01. 2017:

In Pressemeldungen zum Ende des Jahres 2016 hieß es, Günther Krause verfolge das Ziel, mit seiner IBP GmbH zum 1. Januar 2017 wieder am Markt sein zu können. Das ist inzwischen nach bestätigten Informationen aus dem Umfeld der Kanzlei Sponagel aber nicht der Fall.

Unterdessen berichtete Günther Krause gegenüber dem mdw-Magazin, dass er aus der Villa in Kirchmöser auszieht. Sein neuer Wohnort werde die brandenburgische Stadt Kyritz sein.