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Aufstand der DDR-Jugend gegen Erich Honecker

Am 18. Oktober 1989 trat der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, von allen seinen Ämtern zurück.

 

Im "mdw", Das Magazin der deutschen Wirtschaft für Innovation und Zukunft, erinnern sich prominente Persönlichkeiten an den Herbst 1989.

 

 Eberhard Aurich, damaliger Erster Sekretär des Zentralrates der FDJ

Jubel ist nicht gleich Jubel. Das musste Erich Honecker während des Fackelzugs der FDJ 1989 bitter zur Kenntnis nehmen. 60 000 Blauhemden wünschten sich mit ihrem Jubel für sie auch eine veränderte DDR.

12 Tage später: Wir alle standen auf und klatschten ihm einen letzten Beifall. Was ich Tage zuvor noch sehnlichst gewünscht hatte, war eingetreten: Das Zentralkomitee der SED hatte nach tagelangem Gerangel im Politbüro Erich Honecker als Generalsekretär entlassen. Egon Krenz wurde als neuer Parteichef gewählt. Er prägte an diesem Tag den Begriff von der „Wende“. Aber war das die Lösung für die DDR und die SED? Gab es eigentlich noch eine?

Im Juni 1989 hatten sich die Mitglieder des ZK Eberhard Aurich, Hartmut König, Wilfried Poßner, Gerd Schulz und Jochen Willerding, also die jüngsten Mitglieder dieses überalterten Gremiums, nach unserer damals üblichen Akklamation für den Bericht des Politbüros während der 8. ZK-Tagung geschworen, nie wieder einem die wahren Probleme des Landes so unverschämt ausblendenden, nur angebliche DDR-Erfolge sehenden und ein Angebot für demokratisches Mitwirken in der Gesellschaft verweigernden Dokument zuzustimmen. Die Alten hatten es wohl zu sehr auf die Spitze getrieben und selbst uns disziplinierte und letztlich opportunistische ZK-Mitglieder mit der Rede von Joachim Herrmann an die Grenze unserer Toleranz getrieben. Unser virtueller Versuch eines Aufstands fand dann aber keine Entsprechung in der Realität, denn die nächste Tagung vier Monate später veränderte plötzlich alles.

Die weltpolitischen und innenpolitischen Achsen hatten sich in dieser Zeit vehement gedreht; wir saßen auf einem Schleudersitz und hielten uns nur noch mühsam fest. Gorbatschow erklärte auf der Tagung des Warschauer Vertrags Anfang Juli die Selbstständigkeit seiner Mitglieder; Ungarn öffnete in Sopron die Grenze zu Österreich. DDR-Bürger besetzten die BRD-Botschaften in Budapest, Prag und Berlin. Erich Honecker meldete sich krank. Das Politbüro schwieg zu allem, was die Menschen bewegte. Die DDR-Propaganda machte weiter wie bisher. Sie nutzte jeden Strohhalm, um die Fiktion aufrecht zu erhalten, dass die DDR auf Erfolgskurs sei: Medaillen bei der Schwimm-EM in Bonn, den 32-bit-Schaltkreis, die Enthüllung des Panoramas von Prof. Werner Tübke auf dem Schlachtberg bei Frankenhausen. Kein Wort über die ständig steigende Zahl von Fluchtwilligen im Fernsehen und in der Presse. Schließlich kurz vor dem DDR-Jahrestag die Ausreisegenehmigung für die Botschaftsflüchtlinge in Prag mit den gespenstischen Zügen über Dresden und Plauen in den Westen. Verzweifelt setzten einige in Leipzig – darunter alle Mitarbeiter der FDJ-Bezirksleitung – dem „Wir wollen raus!" der ersten Montagsdemos ein „Wir bleiben hier!" entgegen und protestierten damit auch auf ihre Weise gegen die hilflose DDR-Führung, die schon nicht mehr hinter denen stand, die noch bereit waren, der sozialistischen Entwicklung eine neue Dynamik zu verleihen. Erich Honecker hatte im August nur noch einen lächerlichen Spruch auf den Lippen: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf!". Margot Honecker tönte noch Mitte September siegesgewiss, die DDR habe schon Schlimmeres überstanden. Sie schrieb mir dann über 20 Jahre später: „Mich hat die Frage sehr bewegt, ob du und einige deiner Mitstreiter nicht gesehen haben, dass die Rufer für einen ‚anderen Sozialismus‘ an dem Gerüst sägten – andere hatten schon die Axt angelegt – an dem Bau, auf dem an der Vervollkommnung der sozialistischen Gesellschaft gezimmert wurde." Da zimmerte wohl die Führung nur noch einsam vor sich hin und versuchte, morsche Balken aus Illusion, Lüge und Fehleinschätzungen einzubauen. Und niemand – auch wir zu dieser Zeit nicht – kam auch nur auf den Gedanken, dass vielleicht sogar das ganze Fundament total brüchig war. Was uns in der FDJ zu dieser Zeit aber am meisten aufregte, war, dass fast niemand in der Parteiführung mehr überhaupt wissen wollte, was wirklich im Lande los war. Die früher noch hehre Losung „Der Jugend Vertrauen und Verantwortung!" war da längst durch Misstrauen, Gängelei und Vorsicht zu Makulatur geworden. Ein gesellschaftlicher Diskurs über die Weiterentwicklung des Sozialismus war nicht vorgesehen, ein Dialog mit der Bevölkerung fand nicht mehr statt, ja nicht einmal eine Debatte im ZK oder in Gremien des Staates.

Dabei waren wir noch voll auf Kurs 40. Jahrestag der DDR. Unter uns allerdings gab es sehr ernsthafte Debatten über den Sinn des geplanten traditionellen Fackelzuges mit der letztlichen Entscheidung, den Text der Erneuerung des sogenannten Gelöbnisses zur DDR allen Teilnehmern zur Erörterung zu unterbreiten und um ihre persönliche Unterschrift zu bitten. 60 000 (alle!) unterschrieben freiwillig diesen von mir am 6. Oktober vorgetragenen Wortlaut, hatten allerdings zuvor gefordert, jegliche Eloge auf Erich Honecker herauszunehmen und die Freundschaft zur Sowjetunion stärker hervorzuheben, was wir auch taten. Eine solche Abstimmung hatte es vorher noch nie gegeben. Sie förderte aber eine optimistische Stimmung. Vor allem aber war diese stimuliert durch die Anwesenheit von Michail Gorbatschow. Die Sympathie für Gorbi resultierte zu dieser Zeit aus einem ziemlich großen demokratischen Gestaltungswillen für diese Gesellschaft und natürlich aus der Zustimmung zu seiner Friedenspolitik zur Überwindung der Blockkonfrontation. Jegliche Sympathiekundgebungen für ihn waren aber letztlich objektiv gegen Erich Honecker – offiziell ein Freund, inoffiziell ein erklärter Gegner Gorbatschows – gerichtet, was uns selbstverständlich als Helfer und Reserve der Partei in einen Zwiespalt treiben musste. Erst als mir von meinem ZK-Vorgesetzten Egon Krenz angetragen wurde, beim Fackelzug Gorbatschow auf keinen Fall persönlich zu begrüßen, bin ich ausgerastet und habe allen Akteuren in unseren Reihen empfohlen, sich hinsichtlich ihrer Sympathie für Gorbi keinen Zwang mehr anzutun. Die „Gorbi, Gorbi"-Rufe waren dann so stark, dass sie im DDR-Fernsehen ausgeblendet wurden und sich Familie Honecker bei mir wortlos und ohne Handschlag nach dem Fackelzug verabschiedete. Das war für sie der Aufstand der FDJ gegen ihn und sicherlich eine große Enttäuschung. Allerdings war dieser Abend – objektiv betrachtet – eigentlich eine große Demonstration der Verbundenheit großer Teile der Jugend der DDR mit ihrem Staat. Da war noch keine Rede davon, so schnell wie möglich in die BRD aufgenommen zu werden. Wer sich die Ausgabe der Jungen Welt vom 09. Oktober 1989 anschaut, wird feststellen, dass diese unsere Hoffnung offenbarte: Kein Bild von Erich Honecker auf der 1. Seite, stattdessen dort die Headline „Der Zukunft zugewandt" und die Meinung der Fackelzugteilnehmer, ein kritischer Brief von Hermann Kant im Blatt, völlig veränderte Kommentare. Das hatten Eberhard Aurich, Wilfried Poßner, Hans-Dieter Schütt (Chefredakteur der Jungen Welt) und Gerd Schulz am gespenstischen Abend des 7. Oktober im Palast der Republik so entschieden – ohne Nachfrage und Abstimmung mit Partei-
gremien, eine bis dato unfassbare Entscheidung in der DDR-Medienlandschaft. Von Egon Krenz wurde ich zuvor auf der Tribüne des Fackelzuges nach dem wortlosen Abgang von Honecker noch gefragt: „War das der letzte?". Ich antwortete: „Ich glaube nicht, es war aber ein würdiger Abgang für ihn!" Ich sollte mich in beiden Fällen irren.

Wir in der FDJ galten schon längere Zeit als unsichere Kantonisten. Die Gründe blieben mir lange Zeit verborgen und waren auch irrational. So meinte Honecker mal, mich vor einem Besuch beim Komsomolkongress davor zu warnen, auf keinen Fall hier die neuen demokratischen sowjetischen Verhältnisse einzuführen, wozu ich auch keinerlei Ambitionen hatte. Mit dem „FDJ-Aufgebot DDR 40", dessen Konzeption sogar im Politbüro bestätigt wurde, war unsererseits aber eine größere demokratische Mitwirkung der FDJ-Mitglieder, mit einem Mehr an politischer Diskussion, mit einem größeren Maß an Freiwilligkeit verbunden. Das hatten viele Genossen der Partei wohl nicht richtig begriffen und fanden das dann nicht mehr so lustig. Es führte gar zu einer Auseinandersetzung zwischen Margot Honecker und der FDJ, weil an den Schulen plötzlich offene Debatten durch die FDJ geführt wurden. Letztlich wurde auch immer öfters auf die FDJ gezeigt, wenn es galt, Schuldige für wachsende Unruhe in der DDR zu benennen. Auch verweigerte Margot Honecker eine Aussprache mit dem Zentralrat der FDJ vor dem Pädagogischen Kongress nur deshalb, weil wir eine offene Schüleraussprache organisiert hatten.

Die gleichen ZK-Mitglieder, die im Juni ihren virtuellen Widerstand probten, waren sich im September 1989 auch einig, dass es der SED unter Führung von Honecker nicht gelingen wird, die DDR-Probleme zu lösen. Hartmut König, stellvertretender Kulturminister der DDR, forderte mich während einer Rock-Open-Air-Veranstaltung in Dresden am 1. September auf, etwas zu unternehmen. Er selbst beantragte gemeinsam mit Jochen Willerding noch vor dem Republikgeburtstag in einem Brief an Honecker eine ZK-Tagung. Allerdings war uns auch klar, dass jeder neue SED-Chef vor der fast unlösbaren Aufgabe stand, dem DDR-Volk zu erklären, wie es wirklich um die DDR-Wirtschaft stand und welchen tatsächlichen Wert die niedrigen Preise und Mieten hatten. Was bedeutet hätte, zu verstehen, dass sich für viele Menschen der Lebensalltag verschlechtert, zumindest erheblich verändert. Wer wollte das dem Volk ehrlich bekennen?

Gerd Schulz, Wilfried Poßner und ich setzten jedoch noch auf den Veränderungswillen von Egon Krenz, den Honecker in dieser zugespitzten Zeit nach Dierhagen in den Urlaub verbannt hatte. Schulz und ich fuhren Mitte September zu ihm und drängten ihn, etwas gegen Honecker zu unternehmen. Er ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht darauf ein und glaubte auch noch, durch eine Aussprache im Politbüro Honecker zum freiwilligen Rückzug bewegen zu können. Allerdings bat er uns, eine Einschätzung über die Gründe zu erarbeiten, warum so viele Jugendliche das Land verließen.

Wir kramten in kurzer Zeit alle unsere Erkenntnisse zusammen, griffen zu den Einschätzungen des Zentralinstituts für Jugendforschung und erarbeiteten eine umfassende Analyse, die kaum einen Lebensbereich der Jugend aussparte. Wir schlugen vor, diese noch vor den Feiern in das Politbüro zur Beratung für den 10. Oktober 1989 einzureichen. Unsere diplomatische Absicht dabei war, dem Gremium zu zeigen, dass die Teilnehmer des Fackelzugs ihre Treue zur DDR demonstrieren, aber notwendige Veränderungen auf fast allen gesellschaftlichen Gebieten forderten. Am 4. Oktober stellte ich Krenz, der sich von einigen Entscheidungen des Politbüros uns gegenüber distanzierte, aber unser Papier nicht einreichen wollte, noch wütend die Frage „Wie lange soll denn dieses Panoptikum noch gehen?" Und Gerd Schulz ergänzte gegenüber Krenz: „Wenn du nichts machst, fegt es euch alle davon!"

Nachdem wir entsetzt die Ereignisse rund um den Palast der Republik am 7. Oktober wahrgenommen hatten, aktualisierten wir unsere Vorlage und schickten diese am 9. Oktober letztlich doch mit Zustimmung von Egon Krenz an Honecker mit dem Anschreiben: „Wenn die Jugend auch künftig der Partei noch folgen soll, muss gehandelt werden!" In den Text hatten wir den Satz eingefügt: „Die Feiern zum 40. Jahrestag der DDR haben die Zweifel bei vielen Jugendlichen verstärkt, ob ihre Sorgen von der Partei- und Staatsführung ernst genommen werden." Breites Unverständnis gebe es darüber, „dass in der Festrede zu den die Partei, die Jugend und alle anderen Bürger bewegenden Fragen der Lage in der DDR und möglichen Lösungen nicht Stellung genommen wurde." Und wir setzten noch eins drauf: „Es werden Änderungen in der Politik und der sie in Partei und Regierung repräsentierenden Personen erwartet." Wir waren fest davon überzeugt, dass – sollte es zur Behandlung unserer Vorlage im Politbüro kommen – dies nur mit dem Rücktritt von Honecker enden könnte.

Dieser 9. Oktober war ein besonderes Datum: In Leipzig stand eine nächste Montagsdemo bevor. Masur u.a. riefen zur Besonnenheit, Krenz kämpfte in Berlin darum, dass Honecker nicht die Nerven durchgingen und er eventuell symbolisch Panzer durch Leipzig rollen ließ. In Dresden sprach Oberbürgermeister Berghofer mit der Gruppe der 20. Und wir warteten auf das Schicksal unseres Papieres. An diesem Nachmittag traf ich mich demonstrativ mit Toni Krahl, Matthias Görnandt, Dietmar Halbhuber und Gina Pietsch zu einer Aussprache. Sie hatten eine Resolution der Rockmusiker mit verfasst, die Anlass von Drangsal und gar Verhaftungen geworden war. Nur von ihnen erfuhr ich auch erst von den Verhaftungen am Republikgeburtstag.

Erwartungsvoll saßen wir am 11. Oktober nach einer zweitägigen Politbüro-Sitzung im Vorzimmer bei Krenz. Wir waren ob der von uns erwarteten Veränderungen frohgelaunt. Aber es kam alles anders: Egon Krenz teilte uns nur lapidar mit, er habe unsere Vorlage zurückgezogen, um Schaden von der FDJ abzuwenden und endlich eine Erklärung des Politbüros zur Lage zu erreichen. Honecker habe gefragt, was die FDJ-Vorlage solle, sie fordere, die Parteiführung abzulösen, greife den Pädagogischen Kongress an. Es sei der größte Angriff der FDJ gegen die Parteiführung. So etwas habe es noch nie gegeben! Schulz als Abteilungsleiter Jugend sei abzulösen. Den Einwand von Schulz und mir, dass der Rückzug nicht mit unseren Intentionen und Zielen übereinstimmte, wischte Krenz vom Tisch. Dieser Versuch der Konfrontation mit dem Generalsekretär lief also ins Leere. Nach Tagen nervenden Gerangels kam es aber doch zur Entscheidung, für den 18. Oktober die nächste ZK-Tagung einzuberufen. Honecker musste schließlich gehen.

Viel zu lange hatte er sich jeglicher Veränderung in der DDR verweigert und auf seinen nicht mehr zeitgemäßen Prämissen beharrt. Er war klug genug, um zu erfassen, was passieren wird, wenn er aufgibt. Nur, er unternahm nichts Konstruktives, um von der Bevölkerung und der Jugend zu akzeptierende Veränderungen herbeizuführen. Nicht einmal der Versuch wurde gewagt. Ich war sechs Jahre lang einer seiner Nachfolger an der Spitze der FDJ. In dieser Zeit hat er mit mir nicht ein einziges persönliches Wort gewechselt. Mir schien, dass wir als seine ehrlichen Mitstreiter für ihn eigentlich gar nicht recht existent waren.

Aus Respekt standen wir an diesem Oktobertag auf und klatschten einen letzten Beifall – einem Mann, der 10 Jahre bei den Nazis im Zuchthaus saß, der die FDJ gegründet hatte, der mehr als 18 Jahre an der Spitze der Partei stand, der international durchaus hohes Ansehen genoss und der persönlich nicht verstand, warum seine Zeit abgelaufen war. Wir in der FDJ fühlten uns allerdings befreit von Zwängen, die – so hofften wir – auch der FDJ einen größeren Gestaltungsspielraum ermöglichten, den wir in den nächsten vier Wochen auch aktiv nutzten. Unsere Vorlage wurde dann im Politbüro Ende Oktober doch noch behandelt. Aber unsere Befürchtung, dass es alles zu spät sein könnte, trat leider ein; es gab keine Chance mehr für die DDR. Die Sowjetunion ließ sie fallen, viele Bürger wollten sie nicht mehr, die SED-Genossen gerieten sich in die Haare, der BRD fiel die DDR völlig unerwartet in den Schoß.

Die Geschichte hatte entschieden. Der in Europa und in der DDR herrschende Sozialismus war nicht in der Lage, den Produktivkräften die objektiv notwendige Entfaltung zu sichern. Er hatte sich als ein Irrweg erwiesen. Der Kapitalismus war die dynamischere Gesellschaftsformation mit all seinen Konflikten, Gebrechen und Unwägbarkeiten. Diese Einsicht hatten wir aber nicht an jenem 18. Oktober; die kam vielen von uns erst viel später. Niemand möchte wahrscheinlich die DDR wieder haben. Unwohl im Kapitalismus fühlen sich aber viele. Die DDR wird immer mit der besorgten Frage in Erinnerung bleiben, ob sie oder was von ihr hätte eine Lösung für mehr soziale Gerechtigkeit und Frieden sein können. Die Antworten darauf werden uns wohl noch lange umtreiben. Die DDR und unser Einsatz für sie sind wohl nicht nur zu einer Fußnote der Geschichte geworden.