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Weltmarktführende Unternehmen im größten Landkreis Deutschlands vertreten

"mdw"-Gespräch mit Dr. Paul Krüger (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg

mdw: Herr Oberbürgermeister, zu DDR-Zeiten war Neubrandenburg Hauptstadt des gleichnamigen Bezirkes und seit der Deutschen Einheit bis 2011 eine kreisfreie Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Seit zwei Jahren ist Ihre Kommune lediglich Kreisstadt des jedoch größten Landkreises der Bundesrepublik mit dem schönen Namen „Mecklenburgische Seenplatte". War die Kreisgebietsreform, die 2011 in Mecklenburg-Vorpommern stattfand, aus Ihrer Sicht für Neubrandenburg denn nicht eher Rückschritt als Zukunft?

Paul Krüger: Durch die Landkreisneuordnung 2011 wurden mit dem Ziel von Einsparungen schwerwiegende Einschnitte in die landesräumliche Entwicklung vorgenommen. Diese Reform war aus meiner Sicht nicht das geeignete Mittel, um eine nachhaltige Entwicklung des Landes und seiner Regionen voran zu bringen. Im Gegenteil: Die Verflechtungsbeziehungen in den natürlich gewachsenen Verflechtungsräumen wurden nicht respektiert und vor allem eine dringend notwendige Funktionalreform nicht durchgeführt.

Neubrandenburg hält als Oberzentrum eine Infrastruktur vor, die für die Entwicklung der gesamten Region von eminenter Bedeutung ist. Unter dem Aspekt der Entwicklung unserer Region wäre es nach meinem Dafürhalten enorm wichtig gewesen, Neubrandenburg eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten, um das strukturelle Profil der Stadt zu stärken, damit wirklich wichtige Entwicklungsimpulse – auch für die Region – weiter von Neubrandenburg ausgehen können.

Die Kreisgebietsreform führte zu tiefen Einschnitten in die Rechte der ehemals kreisfreien Städte. Neubrandenburg hat viele Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten verloren. Mehr Zentralismus hat seit September 2011 die Bürokratie verschärft. Zumindest aber finanziell steht Neubrandenburg als kreisangehörige Stadt besser da. Mit dem Übergang der Aufgaben der Jugend- und Sozialhilfe auf den Landkreis müssen jetzt auch die Kosten für diese gesetzlich vorgegebenen Leistungen durch den Kreis getragen werden. Jährlich hatte die Finanzierung den städtischen Haushalt mit mehr als 30 Millionen Euro (netto) belastet. Insofern kann schon von einer Entspannung der Haushaltssituation gesprochen werden. Nach vielen Jahren ist es uns gelungen, für das Jahr 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

mdw: Als drittgrößte Stadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern stellt Neubrandenburg das industrielle Zentrum der Mecklenburgischen Seenplatte dar. Welche wirtschaftlichen Kernkompetenzen haben sich in den letzten Jahren hier entwickelt? Was wurde aus den ehemaligen DDR-Großbetrieben, etwa das zur NVA gehörende Reparaturwerk Neubrandenburg?

Paul Krüger: In den letzten Jahren haben sich in der Stadt Neubrandenburg wirtschaftliche Kernkompetenzen in den Branchen Maschinenbau, Fahrzeugzulieferindustrie, Lebensmittelverarbeitung und der Gesundheitswirtschaft entwickelt. Auch weltmarktführende Spitzenunternehmen wie die Webasto AG und Weber Maschinenbau haben ihre Produktionsstätten in Neubrandenburg ausgebaut, viele Millionen Euro am Standort investiert und damit auch wichtige Arbeitsplätze geschaffen.

Aus ehemaligen DDR-Großbetrieben sind zahlreiche Klein- und Mittelständische Unternehmen hervorgegangen, die zum Teil ähnliche Produktpalletten aufweisen. Dies trifft im besonderen Maß auf die Bereiche Maschinenbau (lebensmittelverarbeitende Maschinen), Fahrzeugzulieferindustrie und die Baustoffindustrie zu.

Der VEB Reparaturwerk Neubrandenburg war mit ca. 4 000 Beschäftigten der größte Gewerbebetrieb der Stadt Neubrandenburg. Auf dem Betriebsgelände befinden sich heute ca. 95 Unternehmen mit über 1 000 Beschäftigten. Während die Rüstungsgüterproduktion eingestellt wurde, fanden deren Kernkompetenzen im zivilen Bereich eine Fortsetzung. So haben Unternehmen des Fahrzeugbaus, der Fahrzeugzulieferindustrie, des Schienenfahrzeugbaus hier ihren Ursprung und produzieren nach wie vor in Neubrandenburg.

Das Gespräch führte mdw-Chefredakteur André Wannewitz
(Das vollständige Interview lesen Sie im "mdw"-Heft März/April 2014.