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Für Not leidende Menschen nachhaltig einsetzen

mdw-Gespräch mit Egon Freiherr v. Knobelsdorff, Generalsekretär des Johanniterordens

mdw: Herr Generalsekretär, im Jahr 1113 verkündete Papst Paschalis II. das Privileg zur Souveränität der Hospitalgemeinschaft des Heiligen Johannes zu Jerusalem. Der Johanniterorden und der Malteserorden gedenken am 8. und 9. September gemeinsam mit mehreren feierlichen Veranstaltungen dieser bedeutenden Anerkennung. Führen Sie uns etwas ein in  die Historie der Hospitalgemeinschaft vom Heiligen Johannes zu Jerusalem.

 

Egon v. Knobelsdorff: In der frühen Ordensgeschichte nimmt der 15. Februar 1113 einen besonderen Rang ein. An diesem Tag übertrug Papst Paschalis II. der Hospitalgemeinschaft in Jerusalem mit einer Bulle das Privileg „Pia Postulatio voluntatis“. Diese Urkunde erklärte die Hospitalgemeinschaft zu einer unabhängigen, unter dem Schutz des Papstes stehenden Institution. Des Weiteren bestätigte sie den bereits vorhandenen und künftigen Besitz an Land und anderen Gütern sowie deren Schutzwürdigkeit und die Befreiung von der Zehntabgabe. Auch übertrug der Papst der Gemeinschaft das Recht, zukünftig ihre Vorsteher selbst zu wählen.

Das päpstliche Schreiben enthielt die Anrede „[…] Dem ehrwürdigen Sohn Gerhard, Leiter und Probst des Xenodochiums [= Fremdenherberge, Hospital mit vielseitigen diakonischen Aufgaben] zu Jerusalem und seine rechtmäßigen Nachfolger für alle Zeiten […]“. Und im Text heißt es unter anderem weiter „[…] Wenn Du, zurzeit Provisor und Probst dieses Ortes, einmal gestorben bist, so soll niemand weder durch List noch Gewalt dort [als Nachfolger] herausgestellt werden, wenn ihn nicht die Brüder dort nach göttlicher Eingebung erwählt und eingewiesen haben […]“.

Die Originalausfertigung dieser Urkunde ist verloren gegangen; aber es gibt Abschriften im Vatikanarchiv und auf Malta, die deutlich machen, dass sich mit dieser Bulle die Hospitalbruderschaft in den Ritterorden umzuwandeln begann. Deshalb war auch die 900-Jahrfeier von Johannitern und Maltesern im Jahre 1999 kein unzulässiger Vorgriff. Schon aus der Anrede dieses Schreibens wird deutlich, dass hier etwas bereits Bestehendes bestätigt wird und nunmehr mit dieser Bulle seine erste feste Rechtsform – auch über den Tod des Vorstehers Gerhard hinaus – erhält. So ist es trotz der Rückbesinnung auf die Bulle Papst Paschalis II. vom 15. Februar 1113 nach wie vor richtig, die Zeitrechnung unserer Ordensgemeinschaft mit der Entscheidung frommer Ritter des Ersten Kreuzzuges, sich nach der blutigen Eroberung Jerusalems am 22. Juni 1099 in den Dienst der kleinen Hospizgemeinschaft zu stellen, zu beginnen.

Wir wissen nicht, welche Bedeutung Papst Paschalis II. damals seiner Bulle zugemessen hat. Dass aus der kleinen Pflanze, die er mit der Erteilung des Privilegs setzte, in den folgenden Jahrhunderten ein so starker Baum heranwachsen würde, konnte er nicht erahnen. Sein verhältnismäßig langes Pontifikat von 1099 bis 1118 war vor allem überschattet durch die Fortsetzung des Investiturstreites, also durch die Auseinandersetzung um das Recht zum Einsetzen der Bischöfe zwischen geistlicher und weltlicher Macht. Sein Gegenspieler, König Heinrich V., wollte aber gleichzeitig auch von Papst Paschalis zum Kaiser gekrönt werden. Nachdem der Papst am 9. Februar 1111 infolge eines heftigen Streites vom König festgenommen wurde, musste er zum Wiedererlangen der Freiheit das Investiturrecht bestätigen und auch am 13. April 1111 die Kaiserkrönung vollziehen. 1116 nahm er die Zugeständnisse zurück, floh aus Rom, kehrte aber in die noch umkämpfte Stadt zurück, wo er am 21. Januar 1118 in der Engelsburg starb.

 

mdw: „Johanniter-Jugend gewinnt Zukunftspreis“ und „Johanniter-Jugend macht sich für Kinderrechte stark“ sind zwei aktuelle Schlagzeilen aus diesen Tagen, mit denen der Nachwuchs der Johanniter in Deutschland punktet. „Aus Liebe zum Leben“ heißt der anspruchsvolle Inhalt der Arbeit des Johanniterordens. Wie sehr sind Innovation und Zukunft, also das Meistern des Lebens heutzutage, mit der geistigen Dimension des Ordens verknüpft? Oder anders gefragt: Wie strahlt der Johanniterorden mit seiner langen wechselvollen Geschichte auf die Menschen nachhaltige Kraft aus?

 

Egon v. Knobelsdorff: Indem die Johanniter versuchen, ihren nun über 900 Jahre alten Auftrag, sich für den Not leidenden Menschen in seinen verschiedensten Formen möglichst nachhaltig einzusetzen. Das geschieht als ambulante Hilfe durch das Ordenswerk Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. und in der stationären Versorgung einer Vielzahl von Einrichtungen der Johanniter GmbH mit über 35.000 ehrenamtlichen, sich für die Johanniter engagierenden Menschen und durch ca. 25.000 hauptamtlich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unsere Arbeit wird dabei nicht aus wirtschaftlichen Motiven, sondern immer auf der Basis unseres christlichen Glaubens, sich für den Menschen aus Liebe zum Leben einzusetzen. Das Eintreten für den Glauben ist dabei die Grundlage unseres Handelns. Es ist unser Doppelauftrag, der uns, eingebunden in die lange Tradition, immer wieder Halt und Sicherheit gibt, das Richtige zu versuchen; als Lobbyisten für den schwachen Menschen zu handeln. Deshalb sind wir glaubwürdig.

(Das vollständige Interview lesen Sie im "mdw"-Sommerheft 2013.)