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Liebe Leser,

die CDU macht das Rennen, und Angela Merkel wird auch die nächste deutsche Regierungschefin sein. Dass die Bundestagswahl am 22. September so ausgeht, davon bin ich fest überzeugt.

 

Doch damit ist längst nicht alles gesagt und getan. Wir haben es in diesem Wahlkampf mit einem Phänomen zu tun, bei dem in der CDU alles auf die eine und nichts auf das andere gesetzt wird. Will sagen: Merkel fährt den Sieg ein, weil Merkel Merkel ist. Die Zustimmung, die die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende beim ganzen Volk erfährt, ist enorm. Ihr Name steht für Verlässlichkeit, für Intelligenz, für Vertrauen in das Land und den Euro, für Sicherheit und last but not least für ein hohes Maß an außenpolitischer Anerkennung auf der ganzen Welt. Dass ein Peer Steinbrück ihr dabei das Wasser ganz und gar nicht reichen kann, entschied der diesmalige SPD-Spitzenkandidat schon während seiner Schulzeit: Wer zweimal eine Klasse wiederholen musste, kann bei der Kanzlerkandidatur erst recht nicht gleich beim ersten Mal durchmarschieren! Zumal der Altvordere Müntefering seiner Partei dafür die denkbar schlechtesten Prognosen zur denkbar schlechtesten Zeit gleich selbst ausgestellt hat.

Vielleicht gibt es in der deutschen Sozialdemokratie heute gar keine Leute, die auch nur annähernd an die früheren Parteigrößen Willy Brandt und Helmut Schmidt heranreichen. Nehme ich allein den Wahlkreis 66 in der Altmark, dort, wo ich wohne. Da stieg eine Arbeitsamtsdirektorin zur Spitzenkandidatin der SPD für den Deutschen Bundestag auf, die erst am Nominierungstag Parteimitglied wurde.

Nun, den 469 574 weiteren Mitgliedern der CDU wird’s freuen, dass Angela Merkel fast im Alleingang den Sieg im September einfährt. Sie lehnen sich zurück und lassen’s von ihr machen. Das tatsächlich im besten Sinne des Wortes. In den Niederungen der Partei, etwa im politischen Kellergeschoss bei Orts- und Kreisverbänden oder gar in manchen Ländern, sinkt das Vertrauen in die Christdemokraten fast auf ein Mindestmaß. Umfragen in Sachsen-Anhalt zum Beispiel attestieren der Landesregierung unter Ministerpräsident Reiner Haseloff fehlende Beliebtheit und Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit. Außerdem befindet sich Haseloff mitten in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Auch in Thüringen sieht es mit der Regierungschefin nicht besser aus. Da ist zwar die Rede davon, dass Christine Lieberknecht ein Jahr vor der Landtagswahl beliebter ist wie nie zuvor, doch auch gegen sie will die Staatsanwaltschaft ermitteln und hat deswegen jetzt die Aufhebung ihrer Immunität beantragt. Im CDU-Kreis- und Ortsverband Stendal haben, abgesehen von Nominierungsveranstaltungen und einer Weihnachtsfeier, in den letzten 12 Monaten gar keine obligatorischen Mitgliederversammlungen stattgefunden. Das einfache Parteivolk muss sich hier zum Stimmvieh degradiert vorkommen. Na, den Fleiß, den Arbeitseifer und die soldatische Parteidisziplin haben der Kreis- und auch der Ortsvorsitzende nach meiner Beobachtung gerade nicht erfunden.

Was soll’s: Die CDU Deutschlands verlässt sich auf die Beliebtheit von Angela Merkel. Und das wirkt sich positiv auf die politische Stimmung in der Partei und im ganzen Land aus. Die einzig spannende Frage ist: Wer wird nächster Koalitionspartner der Christdemokraten?

Wir haben gelernt: Merkel kann es mit jedem, und sie macht es fast mit jedem. Klar, die Linkspartei hat mit Merkel keine Chance. Aber ansonsten stehen die etablierten Bundestags-Parteien bei ihr Schlange. Die FDP muss um den Einzug ins Parlament bangen; mit der Nachfolgepartei von Ferdinand Lassalle aber ist eine satte Mehrheit sicher. Steinbrück hat sich dafür schon selbst ausgegrenzt. Und Schwarz-Grün. Wäre das eine Option? Ja, sagen die einen, nein, die anderen. Wenn in beiden Parteien die Scheuklappen fallen, könnte ein solches Regierungsbündnis sogar funktionieren und erfolgreich werden.

Warten wir‘s ab, und sehen wir weiter.


Ein herzliches Glück auf!