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AUS MEINER SICHT Thüringen stellt sich (her)aus

Von Prof. Dr. Marion Eich-Born, Geschäftsführerin Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen GmbH

Hamburg ist auf der Zielgeraden. Heidelberg und Basel sind am Start. Berlin denkt auch daran und in der Lausitz ziehen die Initiatoren der IBA See gerade Bilanz. Internationale Bauausstellungen – kurz IBA – sind Ausnahmezustände auf Zeit. Es geht um neues Denken und Grenzen überschreitendes Gestalten. Meist sind es ausgewählte Landschaftsräume oder Stadtviertel, die innerhalb von zwölf Jahren unter dem Label „IBA“ zu neuem Leben erwachen. Dass ein ganzes Land IBA wird, das gab es so noch nie. Thüringen wagt es. Unter dem Motto „Wandel wird Kulturlandschaft“ sollen bis zum Jahr 2023 Lebens- und Erlebnisräume der Zukunft einer sich wandelnden Gesellschaft entstehen.

Demografie und Energiewende, soziokulturelle Umbrüche und neue Finanzierungsformen beeinflussen auch Thüringen. Wie lässt sich Lebensqualität der Einwohner in Schrumpfungsregionen aufrechterhalten? Wie steuern wir die Stadt- und Regionalentwicklung in Wachstumsräumen? Welche baulichen Anforderungen stellt der Wandel zur Wissensgesellschaft an die Gebäude der Zukunft? Das sind drei von zahlreichen Fragen, auf die der IBA Prozess beispielhafte Antworten finden will.

Modellhaftigkeit, Experimentiercharakter, internationale Strahlkraft – die Erwartungen an die IBA Thüringen sind hoch. Ausgangspunkte bilden die vielfältigen Kulturlandschaftsräume. Thüringen bietet in dieser Hinsicht alles: urbane Landschaften, Naturparke und Kulturrouten, ländliche Räume, Industrieregionen, Fluss- und Seenlandschaften, Infrastrukturgebiete inklusive Schlösser, Burgen und Klöster – sogenannte Traditionslandschaften mit Zukunft.

Wie geht man mit diesen Gegebenheiten um? Kreativ. Innovativ. Großräumig. Wenn das ganze Land zum Handlungsraum wird, haben alle Regionen eine Chance der IBA Beteiligung bis 2023. Es wird Wettbewerbe geben. Noch in diesem Herbst kommen die ersten Projektaufrufe. Eine zentrale Rolle spielen die IBA Werkstätten, die an den Hochschulstandorten Thüringens angesiedelt werden sollen, um von den Forschungs- und Wissenskompetenzen profitieren zu können. Die dort ansässigen Mitarbeiter werden die IBA Projekte in der Konzeptphase unterstützen, um die  Projektqualität zu sichern. Die IBA Werkstatt Weimar ist bereits bezogen, demnächst kommt eine zweite in Nordhausen dazu. Bis zu vier Werkstätten sind geplant.

Wenn ein ganzes Land forscht, umdenkt und sich neu erfindet, dann geht das nicht von jetzt auf gleich. Die Machbarkeitsstudie sieht einen zwölfjährigen IBA Prozess vor. In diesem Zeitraum werden Synergieeffekte mit bestimmten Großereignissen, wie den Landesgartenschauen in Schmalkalden 2015 und Apolda 2017 sowie der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt genutzt. Im Jahr 2019 reihen sich gleich mehrere Jubiläen aneinander, in deren Zusammenhang die IBA Thüringen eine Rolle spielen wird: 100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Weimarer Verfassung und 30 Jahre Wiedervereinigung. Ihren Höhepunkt findet die IBA Thüringen dann im Jahr 2023, dem Jahr des 100. Geburtstags der ersten großen Bauhaus-Ausstellung.