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Zukunftsfähige Strukturen mit Leuchtturmfunktion an Orthopädischer Universitätsklinik Magdeburg

Universitäre Strukturen sind unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung in unserem Land. Die Universitäten übernehmen als Einrichtungen nicht nur die Ausbildung von Studenten für den ärztlichen Nachwuchs, sondern auch zum Großteil Aus- und Weiterbildungen von Assistenzärzten zu Fachärzten und weitergehenden Spezialisten. In vielen Bereichen ist bereits ein Facharztmangel in der Fläche und auch in den Städten (z.B. in der hausärztlichen Versorgung) ein großes Problem. Aber auch in anderen Bereichen – wie Orthopädie und Unfallchirurgie – ist die dauerhafte Absicherung der flächendeckenden Versorgung derzeit gefährdet. Folgen für die Behandlungen von Patienten mit muskuloskeletalen Erkrankungen sind absehbar.

In einer alternden Gesellschaft in Deutschland und speziell in Sachsen-Anhalt ist nach Ansicht von Prof. Dr. med. Christoph Lohmann, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg, eine hochqualifizierte Behandlungen von Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates unverzichtbar. „Hierzu kann eine universitäre orthopädische Struktur auch im besonderen Kranken-hausgefüge in Sachsen-Anhalt mit einer Vielzahl von privaten Krankenhausträgern, die einen Großteil der kommunalen Krankenhäuser übernommen haben, einen entscheidenden Beitrag leisten." Zum einen könne eine orthopädisch-unfallchirurgische universitäre Medizin im Rahmen ihrer ambulanten und stationären Versorgung den spitzenmedizinischen Auftrag erfüllen und für die Patienten mit allgemeinen, aber auch mit speziellen Erkrankungen, im überregionalen Raum die Versorgung sichern. Zum anderen könne eine universitäre Einrichtung, wie die Orthopädische Universitätsklinik, aber auch im Rahmen von Schulungsprogrammen für niedergelassene Ärzte die Möglichkeit bieten, um sich mit allgemeinen Erkrankungen des Bewegungsapparates deutlich sicherer zu fühlen und den orthopädisch-unfallchirurgischen Facharztmangel zu kompensieren und damit die Versorgung der Patienten gemeinsam sicherzustellen.

„Die Orthopädische Universitätsklinik kann dann im Rahmen von Spezialangeboten die erweiterte Patientenberatung und –behandlung (z.B. Endoprothetik, Tumororthopädie, Wirbelsäulenchirurgie, Rheumaorthopädie, Kinderorthopädie, spezielle Sporttraumatologie etc.) als eine Leuchtturmfunktion anbieten. Dazu sind die Spezialdisziplinen auch durch hochspezialisierte Ärzte vertreten und ansprechbar." Durch diesen Brückenschlag zwischen niedergelassenen Ärzten und Spitzenmedizin an der Universitätsklinik könnten dann auch Angebote einer sektorenübergreifenden Versorgung ausgearbeitet und angeboten werden.

Im Rahmen der Problematik einer flächendeckenden Versorgung und der immer größer werdenden Entfernungen der Patienten zum versorgenden Spezialisten sind nach Lohmanns Worten neue Wege zu erwarten. Dabei gelte es, moderne Datenaustauschmöglichkeiten zu entwickeln, aber auch die Telemedizin auf datengesicherten Portalen anzubieten.

 

Kompetenzzentrum 4.0

Diesen Schritt ist die Orthopädische Universitätsklinik Magdeburg mit der Etablierung ihres Kompetenzzentrums „Orthopädie und Unfallchirurgie 4.0" bereits heute gegangen. „Wir sind mit unserer Forschungsabteilung bereits auf dem Weg, Datenübertragungen z.B. eines Implantates an den Patienten selbst oder seinen behandelnden Arzt zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Unsere gewonnenen Informationen könnten dann in Frühwarnsystemen im Rahmen von Nachuntersuchungen etabliert werden", erklärt der Klinikdirektor. Weitere Ziele seien, so Christoph Lohmann, Biomarker zu entdecken, die ein frühes Versagen eines Implantates vorhersagen und somit Risiken aufzudecken und zu vermeiden.

Im Rahmen der weiteren Forschung hat die Orthopädische Universitätsklinik verschiedene andere Programme und Projekte aufgelegt, die aber auch einen Gelenkersatz verhindern und den Gelenkerhalt fördern sollen. Hierzu gehören autologe Verfahren (z.B. Eigenbluttherapieverfahren) zum Knorpelaufbau und auch zur Entzündungshemmung. Des Weiteren werden unterschiedliche Therapieansätze zum Knorpelerhalt und zur Knorpelregeneration durch neu entwickelte Therapiestrategien getestet. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten soll die Knorpeldegeneration besser verstanden werden, und dadurch dann der Knorpelwiederaufbau erneut aktiviert werden.

Nur eine klare Profilierung einer Orthopädischen Universitätsklinik mit einzelnen Bereichen und einem sehr strukturierten Forschungsprofil, neben der Spitzenkrankenversorgung, kann den direkten Zugang der Patienten und der niedergelassenen Kollegen wie auch der peripheren Krankenhäuser zur Spitzenmedizin aber auch zur Forschung gewährleisten, zeigt sich Prof. Dr. Christoph Lohmann überzeugt, der im Ehrenamt auch als Landesarzt der Johanniter Unfallhilfe in Sachsen-Anhalt und Thüringen tätig ist.

 

Sportmedizinisches Versorgungszentrum

Schon Mitte vergangenen Jahres akkreditierte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Orthopädische Universitätsklinik Magdeburg als „Sportmedizinisches Untersuchungszentrum". Nach umfänglicher Prüfung erhielt die Klinik diese Anerkennung für den Olympiazyklus bis 2020. Für die Bundesathleten und Nachwuchssportler des Olympiastützpunktes Sachsen-Anhalt gewährleisten Ärzte der Uniklinik eine umfassende sportmedizinische Versorgung, damit diese gesund in die Wettkämpfe gehen können. „Wir sind sehr stolz, zu den 25 Einrichtungen in ganz Deutschland zu gehören, die der DOSB ausgewählt hat, um die medizinische Betreuung der Spitzensportler sicher zu stellen", betont Klinikdirektor Prof. Lohmann. „Unsere Klinik ist strukturell, personell und auch medizintechnisch so ausgestattet, dass wir den Sportlern ein breites medizinisches Untersuchungsspektrum auf höchstem Niveau bieten können". Oberärztin Dr. Margit Rudolf, Leiterin der Sportmedizin der Orthopädischen Universitätsklinik, ergänzt, dass dabei auch der universitäre Status von großem Vorteil ist. Dazu gehört die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit vielen anderen Fachbereichen, zum Beispiel die Kardiologie, aber auch der Bezug zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zur Orthopädischen Uniklinik gehört zudem eine eigene Forschungsabteilung.

Sportmedizinische Kompetenz wird den Magdeburger Orthopäden durch ihre langjährige Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem Handballteam der Bundesliga-Mannschaft des SC Magdeburg, bestätigt. Leistungsdiagnostische Untersuchungen werden durchgeführt für die Olympiakadersportler, die A,- B,- C-Kader des Leistungssportstützpunktes Magdeburg wie auch des Behindertensports, Schüler des Sportgymnasiums, den Profifußball in Magdeburg und auch für Freizeitsportler. Seit 1991 ist in der Orthopädischen Universitätsklinik eine sportmedizinische Abteilung integriert, die auch in einer Außenstelle der Klinik am Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt repräsentiert ist.

 

Ärztekammer sieht hohe Belastungen für Heilberufler

Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt sieht, bedingt durch den demografischen Wandel, die zunehmende Behandlungsbedürftigkeit der Menschen im Lande und die damit einhergehende Steigerung der Arbeitsbelastung für die Heilberufler. In einer gemeinsamen Erklärung der Heilberufler des Landes Sachsen-Anhalt wird deutlich gemacht, „dass der demografische Wandel im Land zukünftig eine steigende Nachfrage nach Haus- und Fachärzten gleichermaßen verursachen wird. Diesem allein durch Pflichtabschnitte und verpflichtende Quoten bereits im Medizinstudium zu begegnen, hält die Ärztekammer für völlig unzureichend. Vielmehr müssen im Land alle Kräfte und Ideen gebündelt werden, um die Anziehungskraft Sachsen-Anhalts in allen Lebensbereichen zu stärken."

Wachsende Bürokratie, steigender Kostendruck, immer neue technische Anforderungen und die Verschleppung dringend notwendiger Reformen von politischer Seite machten die Arbeit für Apotheker, Ärzte, Psychotherapeuten, Tierärzte und Zahnärzte immer schwieriger, heißt es. Zur Frage der Gewinnung ärztlichen Nachwuchses sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt Dr. med. Burkhard John: „Unser Land sollte die Möglichkeiten des Masterplans 2020 schnellstmöglich umsetzen, damit wir nicht gegenüber anderen Bundesländern bei der Nachbesetzung von Landarztpraxen verliekammren." Mit dem Plan der Bundesregierung können die Länder unter anderem Erleichterungen bei der Zulassung zum Medizinstudium schaffen, gegen die Zusage, in Landarztpraxen tätig zu werden. Für die Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung ist durch eine zukünftige Regierungskoalition auch eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig.