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Liebe Leser,

dafür, dass die Sozialdemokratin Barbara Hendricks aus meiner Sicht in ihrer vierjährigen Amtszeit als Bundesumweltministerin so gar nichts Brauchbares von sich gab, tönt sie jetzt ohne Unterlass noch mehr Schwachsinn zum Abgasskandal. Nun, zwischenzeitlich hat wohl auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mitbekommen, dass der Dieselgipfel von Bundesregierung und Automobilindustrie Anfang August eine Luftnummer für Umwelt und Verbraucher war. Merkel kündigte an, das Diesel-Thema zur Chefsache zu machen.

 

Ob die Einigung auf eine Lösung in Form von Softwareupdates von deutschlandweit über 5 Millionen Dieselfahrzeugen geeignet ist oder nicht, gerichtlich verhängte Fahrverbote in größeren Ballungsräumen abzuwenden, ist für mich gar nicht die Frage. Höchste Priorität hat vielmehr der Umstand, dass viele Millionen Dieselbesitzer in Deutschland nach dem Dieselgipfel erst recht verunsichert sind, egal, welche Euro-Norm ihr Auto besitzt. Nun kommt raus, dass ein Audi-Vorstand bereits 2006 über die Probleme mit der Dieselabgasreinigung in den USA unterrichtet worden sei. Längst haben die Manipulationen alle deutschen Fahrzeughersteller eingeholt. Unglaublich, gehört die Autoindustrie doch zu den wichtigsten Industriezweigen unserer Volkswirtschaft, auf die wir bisher mit Stolz blickten. Wie waren wir Ossis vor 27 Jahren aus dem Häuschen, endlich Westautos kaufen und fahren zu können. Wer wie ich nicht nur die politische sondern auch die automobile Wende erlebte, und den extrem unterschiedlichen Fahrkomfort zwischen Trabant und Mercedes genau beschreiben kann, ist einfach erschüttert, wie die Verbraucher jahrelang für dumm verkauft wurden.

Ich bin der deutschen Bundeskanzlerin, Angela Merkel, für ihr inzwischen abgegebenes klares Wort dankbar, dass der Dieselmotor den Klimaschutzzielen dient und er uns noch viele, viele Jahre erhalten bleibt. Im Umkehrschluss muss dann aber auch gelten, dass jene Autobesitzer, deren Diesel-Fahrzeuge mit Euro-Norm 4 heute schon etwas in die Jahre gekommen sind, nicht vollständig allein in Haftung genommen werden, ihre Autos umgehend abzustoßen und gegen neue zu ersetzen oder sich gerichtlichen Fahrverboten zu beugen, die nach dem Willen von Umweltaktivisten möglichst bald in Kraft treten sollten. Die angebotene niedrige Umweltprämie für einen sofortigen Fahrzeugneukauf halte ich zudem für viel zu gering, weil diese Summe in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Fahrzeugwerten steht.

Wer eine endgültige Beseitigung der Mängel an den betroffenen Diesel-Fahrzeugen, saubere Luft, eine nachhaltige Mobilität und ein Umsteuern auf abgasfreie Antriebstechnologien will, muss mehrere Dinge gleichzeitig tun. Erstens, dafür sorgen, dass der staatliche und gesellschaftliche Fuhrpark von Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und Polizei von stinkenden und lauten Altfahrzeugen entschlackt wird. Zweitens, sollten Oldtimer aller Art, die jetzt zuhauf zu Traditionsveranstaltungen durch die Lande fahren, verboten oder mit Sonderabgaben belegt werden. Und drittens hat niemand das Recht, sich am Eigentum zu vergreifen, Verschrottung anzuordnen oder Fahrzeugneukäufe zu befehlen. Besonders viele Klein- und Mittelständler haben eine ganze Dieselflotte, die nicht so einfach ersetzbar ist. Wer einen Diesel fährt, hat ihn einst im treuen Glauben gekauft und galt lange Zeit als automobiler Vordenker. Im Sommer 2017 wurde der Spieß einfach umgedreht.

Fakt ist: Wenn es stimmt, dass manipuliert wurde, muss die Autoindustrie haften. Technisch notwendige Umrüstungen jeder Art oder staatlich verordnete Fahrzeugneuanschaffungen können nicht zu Lasten der Bevölkerung gehen. Aber Hardware-Lösungen dauern seine Zeit, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Davon, jetzt eine Festlegung auf ein Ausstiegsdatum zur Koalitionsbedingung nach der Bundestagswahl zu machen oder gerichtlich Fahrverbote zu verordnen, halte ich nichts. Das wären zudem völlig falsche Signale und dem Autoland Deutschland auch mit Blick auf die IAA 2017 nicht dienlich.

 Ein herzliches Glück auf!

André Wannewitz