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In der DDR eine CDU-Blockflöte, hat Haseloff bis heute seine Vergangenheit nicht vollständig offengelegt

Das Editorial des mdw-Chefredakteurs in der Ausgabe Mai/Juni 2012 schlug bei Reiner Haseloff so ein, dass er sich davon bis heute nicht erholt hat. Was André Wannewitz damals recherchierte und öffentlich machte, löste bei Haseloff Hass und Empörung gegenüber dem mdw-Magazin aus. Seit dieser Zeit meidet der amtierende Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt jeden vernünftigen und fairen Umgang mit dem Magazin der deutschen Wirtschaft für Innovation und Zukunft.

Im Lichte der heutigen Ereignisse um Haseloff und seinen diktatorischen Umgangsstil mit dem Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt und stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden, Holger Stahlknecht, lässt sich aus dem damaligen mdw-Editorial viel Wahrheit herauslesen:

Liebe Leser,
mit Luther im Gepäck war Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kürzlich mit einer Delegation aus Sachsen-Anhalt eine Woche in den USA. Wirtschaftskontakte und Touristenwerbung hatte die Gruppe im Blick. Der Katholik Haseloff hielt während der Tour Vorträge zur Lutherdekade und zum Reformationsjubiläum 2017 und warb so um das US-amerikanische Protestantentum, dann in seine Heimatstadt Wittenberg nach Deutschland zu kommen.

Unternehmensbesuche, Investorenansprachen wechselten sich ab, hieß es aus der Staatskanzlei. Der zunächst als Unternehmerreise deklarierte Ausflug in die USA musste sich dann doch als Flopp entpuppen, denn auf ein wesentliches Interesse von Firmen, den Ministerpräsidenten zu begleiten, ist es sachsen-anhaltischen Wirtschaftsverbänden zufolge gar nicht gekommen. So war Haseloff mehr als Reiseleiter unterwegs, der in fünf Jahren eine Menge von Amerikanern in sachsen-anhaltischen Lutherstätten sehen will.

Im Gefolge seiner Delegation umgab sich Haseloff auch mit offensichtlich fachlichen Nieten. Sein Kultusminister, der SPD-Politiker Stephan Dorgerloh, war auf allen Lutherstationen in den USA dabei, hat aber seit einem Jahr zu Hause in Magdeburg einen Laden zu verantworten, der unter seiner Ägide Zeitungsberichten zufolge gerade die Schulpolitik gröblichst zu vernachlässigen scheint und deshalb das Wichtigste, was die Gesellschaft braucht, nämlich Wissen, Bildung und Zukunft an die junge Generation zu vermitteln, in Sachsen-Anhalt ohne höchste Priorität behandelt.

Reiner Haseloff plädierte, bevor er Regierungschef wurde, für eine Große Koalition in Sachsen-Anhalt bis 2020. Wenn sich die SPD darauf einlässt, mit den Christdemokraten solange regieren zu wollen, halte ich die Sozialdemokraten, persönlich gesagt, für bescheuert. Aber immerhin tun das die Genossen nun schon seit 2006. Bullerjahn, Budde und Co. gefallen sich offenbar in ihrer Juniorrolle. Nebenbei gibt's, auch noch mit Duldung des Regierungschefs, demnächst eine saftige Beruhigungspille in Form von monatlich fast 800 Euro höheren Diäten für alle Abgeordneten.

Haseloffs Ziel war die Macht. Seit gut einem Jahr hat er sie als erster Mann in Sachsen-Anhalt. Ein Regierungssprecher, den man zuvor in einer Magdeburger Tageszeitung als Chefredakteur vor die Tür gesetzt hat, verkauft seine Politik. Das tut dieser aus meiner Sicht ohne erkennbare Eignung, aber er war es selbst, wie ich höre, der sich um diesen Posten bei Haseloff gerissen haben soll.

Als Büroklammer, zu der Haseloff seit seinem Machtantritt geworden ist, lebt es sich für ihn wohl komfortabel. Haseloff und Bullerjahn, CDU und SPD, streiten sich nicht, arbeiten zumindest für Außenstehende ganz friedlich und finden sich gemeinsam toll. Machterhalt und Machtbesessenheit scheinen die Schlagwörter zu sein, um die es in Magdeburg geht. In den Fraktionen untereinander sieht das anders aus. Aber bisher traut sich von denen keiner aus der Deckung, mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen.

Haseloffs Karriere nach der Wende ist untypisch für einen Ostdeutschen. Dass er als DDR-Blockflöte schon 1990 mit 36 Jahren in Wittenberg Vize-Landrat wurde, mag man noch verstehen. Dass er zwei Jahre später Arbeitsamtsdirektor wurde und 10 Jahre auf diesem Posten blieb, nicht mehr. Ich will nicht sinnieren, ob diese Beförderung mit irgendwelchen Konstellationen zusammenhängt, mit denen Haseloff in der DDR möglicherweise zu tun hatte und dieser Umstand seinen Aufstieg begründete. Sicher ist aber, und auch der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm wusste das: In den ostdeutschen Arbeitsverwaltungen fanden Anfang der 90er Jahre eine Reihe von DDR-Systemträgern bis hin zu Stasi-Verrätern eine Anstellung.

Inwieweit Haseloff beteiligt war, wird dringend sauber abzuklären sein. Dies umso mehr als sich schon 2007 ein CDU-Ministerpräsident aus den neuen Ländern an "mdw" wandte und mich offen davor warnte, "gegenüber Haseloff vorsichtig zu sein".

Ein herzliches Glück auf
André Wannewitz

(erschienen im mdw-Heft Mai/Juni 2012)


Bis heute hat Reiner Haseloff persönlich gegenüber seinen Wählerinnen und Wählern nicht für Aufklärung gesorgt. Weder die CDU-Sachsen-Anhalt noch die CDU-Landtagsfraktion ist bei der Stasi-Unterlagenbehörde initiativ geworden und hat Einsicht in mögliche Akten zu Haseloff beantragt. Im Gegenteil: Haseloff selbst sowie die Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt und die CDU-Fraktion haben nach dem Erscheinen dieses Editorials erheblich in die Pressefreiheit des mdw-Magazins sowie des mdw-Verlegers und Chefredakteurs einzugreifen versucht und empören sich darüber noch immer.